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Bericht zur Rückbegegnung des Philippinenaustausches von Eckhard
Röhm
Jugendreise in die Philippinen im Rahmen des Jugendaustausches
der Southern Tagalog Conference (STC) der United Church
of Christ in the Philippines (UCCP) und des Kirchenkreises
Duisburg der Evangelischen Kirche im Rheinland
Zeitraum: 29. Juli – 20. August 2005
ReiseteilnehmerInnen: Janina Hoffmann, Inga Janßen,
Nils Janßen, Michael Winter, Stephanie Büssinger, Felix
Wagner, Pfarrer Stephan Blank, Pastor Eckhard Röhm
Orte: Schwerpunktmäßig Manila, San Pablo City
sowie weitere Orte des Partnerkirchen-kreises, nicht
Bondoc-Peninsula
Thema der Begegnung: Gesundheit Bildung und
bürgerschaftliches Engagement in Deutschland und den
Philippinen
Kontextuelle Einordnung der Reise: Die
Idee einer Jugendbegegnung ist in beiden Kirchenkreisen
seit langem diskutiert worden. Während des Besuchs von
Sabine Bräutigam, Pfarrer Christoph Radbruch und Pastor
Eckhard Röhm im Partnerkirchenkreis im Frühjahr 2003
wurde der Partnerschaftsvertrag zwischen dem Kirchenkreis
Duisburg-Süd und der STC unterzeichnet, in dem die Durchführung
von Jugendaustauschmaßnahmen vereinbart wurde. Im Frühjahr
2004 fand eine Jugendbegegnung im Kirchenkreis Duisburg-Süd
statt, bei der eine philippinische 6-köpfige Delegation
3 Wochen lang Duisburg besuchte. Die hier beschriebene
Reise war der Gegenbesuch in den Philippinen.
Ziel: Hauptziel der Reise war das Erleben
von und Mitleben in philippinischem Alltag für einen
kleinen Zeitraum. Hierbei sollten Kontakte und Freundschaften
entstehen und die Wahrnehmung der anderen Lebensrealität
sollte zum Verständnis des anderen Kontextes beitragen.
Die inhaltliche Fokussierung auf die drei Bereiche „Gesundheit,
Bildung und bürgerschaftliches Engagement sollte dazu
beitragen, speziell in diesen Bereichen exemplarisch
Unterschiede und Gemeinsamkeiten in beiden Ländern kennenzulernen,
weil es sich um Schlüsselbereiche der Globalisierung
handelt.
Unterbringung: Die deutschen Delegationsteilnehmer
lebten in philippinischen Gastfamilien und hatten die
meiste Zeit engeren Kontakt zu acht philippinischen
jungen Erwachsenen und zu einem philippinischen Pfarrer,
der die Delegation die ganze Zeit begleitete. In Manila
war die deutsche Gruppe samt der philippinischen Gastgebergruppe
im Shalom-Center, dem Gästehaus der UCCP, untergebracht.
Programm: Inputs zu den Themen Bildung,
Gesundheit und bürgerschaftliches Engagement
1. Bildung Wir besuchten verschiedene Universitäten,
hatten die Gelegenheit, mit einem Hoschulpräsidenten
sowie mit Studierenden zu sprechen und hospitierten
in einer Übung. Ferner besuchten wir eine öffentliche
und kirchliche Schulen, darunter eine Schule für Kinder
mit Behinderungen und wir erhielten Grundinformationen
über den Aufbau des philippinischen Bildungssystems.
2. Gesundheit Im Bereich Gesundheit besuchten
wir private und öffentliche Krankenhäuser. Hierbei hatten
wir ein langes Gespräch mit ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen,
in dem wir grundsätzlich über die Ausbildung von Pflegeberufen,
über die Finanzierung des Gesundheitssystems sowie über
grundlegende Probleme wie Personalmangel, Geldmangel
und Mangel an Ausstattung informiert wurden.
3. Bürgerschaftliches Engagement Im Bereich
bürgerschaftliches Engagement besuchten wir eine Organisation,
die daran arbeitet, im berüchtigten Slum „Smokey Mountain“
in Manila eine Schule für im Slum lebende Kinder aufzubauen
sowie eine Organisation, die versucht, für zumindest
einige der unzähligen minderjährigen und jungen Erwachsenen
Prostitutierten Manilas alternative Lebensperspektiven
aufzubauen. Die Begegnung mit diesen beiden Organisationen
waren für alle Teilnehmenden besonders eindrücklich.
Außerdem sprachen wir mit Vertretern einer Gewerkschaft
von Arbeitern des Nestle-Konzerns, die für die tatsächliche
Leistung von Rentenzahlungen und für die Einhaltung
von Arbeitsschutzbestimmungen eintritt.
Ein weiterer Punkt war die Teilnahme an einem großen
Menschenrechtstribunal. Hierbei handelte es sich um
ein von mehreren Menschenrechtsorganisationen veranstaltetes
Symposion, das die Form eines Gerichtsverfahrens hatte.
Ein internationales Team von Juristen führte vor über
500 Zuschauern ein Verfahren mit Beweisaufnahme gegen
Regierung, Militär und Poli-zei durch, bei dem diese
für Verbrechen ungeheuren Ausmaßes angeklagt und symbolisch
verurteilt wurden. Ziel war es, die permanenten Menschenrechtsverletzungen
des Staatsapparates öffentlich zu skandalisieren und
die strafrechtliche Verfolgung der Täter, die notorisch
nicht stattfindet, wenigstens symbolisch vorzunehmen.
Zwei weitere Aktivitäten bürgerschaftlichen Engagements
erlebten wir leider anders als angekündigt. Zum einen
sollten wir eine Organisation besuchen, die sich mit
den negativen ökologischen Folgen eines Kieswerks auseinandersetzte,
statt dessen hatten wir auf dem Gelände ein Gespräch
mit Mitgliedern des Managements. Statt der Seemannsmission
im Hafen von Batangas, die wir ursprünlich besuchen
wollten, besuchten wir den Hafenmanager.
Kirchliches Leben in der UCCP: Wir besuchten
mehrere, vor allem städtische Gemeinden der Southern
Tagalog Conference. Dabei erlebten wir verschiedene
Gottesdienste, die gemessen an der geringen Gemeindegliederzahl
sehr gut von Menschen allen Alters besucht waren. Sie
waren meist reichhaltig ausgestaltet mit Chorgesang
und szenischen Darstellungen theologischer Inhalte.
Im Anschluss an den Gottesdienst stand meist ein Treffen
mit dem Kirchenvorstand auf dem Programm.
Der ursprünglich geplante Besuch auf der Bondoc-Peninsula,
einer extrem abgelegenen und rückständigen, von Feudalstrukturen
beherrschten Region des Kirchenkreises, fiel aus, da
fast alle Teilnehmende mit erheblichen gesundheitlichen
Problemen zu kämpfen hatten. Allerdings bestand durch
den Besuch in der Landgemeinde Macalamcam dennoch die
Möglichkeit, den ländlichen philippinischen Bereich
ein wenig kennenzulernen.
Neben Gesprächen mit einer Bauernorganisation und
Besuchen von arbeitenden Bauern gab es auch hier eine
Jugendbegegnung und einen gemeinsamen Abend mit Gemeindegliedern,
Wohltuend in Macalamcam war die ruhige ländliche Atmosphäre
im Kontrast zu den häufig lärmenden Städten.
Zentrale Punkte des Programms waren zudem die Treffen
mit der Jugendorganisation der UCCP, der CYF (Christian
Youth Fellowship). Die Southern Tagalog Konferenz besteht
aus 3 Distrikten und alle drei Jugendorganisationen
auf Distriktebene veranstalteten Gemeinschaftsabende
(Fellowship) mit uns.
Hierbei gab es Gemeinschaftsspielen, Tanzen und Singen,
und die Abende klangen dann irgendwann aus, nach dem
Empfinden vieler zu früh, so dass die Möglichkeit, Kontakte
zu knüpfen, relativ eingeschränkt war. Allerdings
gab es außerdem noch zwei Abendtreffen in Schwimmbadanlagen,
an denen viele Jugendliche teilnahmen. Besonders eindrücklich
hieran war das Karaoke, an dem sich vom einfachen Schüler
bis zum Bischof alle exzessiv beteiligten und zu dem
auch unsere Delegation genötigt wurde. Zudem ergab sich
an mehreren Stellen die Gelegenheit zu gemeinsamen Aktivitäten
der Jugendlichen außerhalb des offiziellen Programms,
wie zum Beispiel Kinobesuchen und Badminton. Allerdings
wären gerade die Freiräume für solche informellen Begegnungen
noch deutlich ausbaufähig.
Elemente ökumenischen Lernens: Wir haben
eine Fülle von Beobachtungen Lernerfahrungen gemacht,
die unser kirchliches und privates Leben sehr bereichern
können. Augenfällig war die geistliche Verbindlichkeit
in den Gemeinden, besonders auch in der UCCP-Jugend.
In den Häusern wird vor dem Essen gebetet, ebenso zu
Beginn von Jugendtreffs. Es ist selbstverständlich,
dass bei Jugendtreffs Bibelauslegungen stattfinden können.
Diese zielen meistens darauf ab, Rat und Unterstützung
zur Bewältigung des täglichen Lebens zu geben. Zudem
ist es in der UCCP allgegenwärtig, dass aktuelle politische
Ereignisse von der Bibel her gedeutet werden und dass
die Bibel Hoffnung und Kraft gibt, sich tatkräftig für
mehr politische und wirtschaftliche Gerechtigkeit einzusetzen.
Kirchliches Leben, politisches Leben und biblische Auslegung
sind sehr stark miteinander verwoben.
Jugendliche sind in das Leben der Gemeinden integriert.
Sie haben, wie die Frauen und Männer, ihre eigenen Organisationen
auf Gemeinde- Distrikt-, Kirchenkreis- und nationaler
Ebene und sind sehr präsent im Gottesdienst, teils als
Teilnehmende, teils aber auch im Jugendchor oder durch
die Aufführung kleiner Theaterszenen im Gottesdienst.
Jugend lebt in den Gemeinden der Southern Tagalog Conference,
nicht neben ihnen. Nicht nur der Jugendraum sondern
die ganze Kirche wird als auch ihr Ort begriffen. Das
ist immer wieder beeindruckend und könnte bei der zukünftigen
Gestaltung der Jugendarbeit in unserem Kirchenkreis
als Anregung dienen.
Geradezu bewegend war die Gastfreundschaft. Überall
wurden wir herzlich und freundlich aufgenommen und oft
bis an die Grenze der körperlichen Aufnahmefähigkeit
bewirtet.
Ausblick: Insgesamt handelte es sich um
eine gelungene Jugendbegegnung, bei der viele neue Kontakte
entstanden und auch alte weitergeführt und aufgefrischt
wurden.
Bei dieser Begegnung wurde viel kognitiv gelernt.
In ersten Auswertungen hieß ein vielgeäußerter Wunsch,
dass das Lernen ganzheitlicher stattfinden müsse. Zum
kognitiven Lernen sollte auch ein Tun und Erleben hinzukommen.
Ein mögliches Modell für die Zukunft wären Workshops,
zum Beispiel ein Theaterworkshop, in dem ein Stück zwei
Wochen lang ge-schrieben und einstudiert und dann in
verschiedenen Gemeinden aufgeführt wird.
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